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Turnierbericht zum 10. Go to Innovation von David Seibt
Bereits zum 10. Mal hieß es in diesem November: „Go to Innovation“! Diesem Aufruf folgten 41 Go-Spieler vom 15 kyu bis zum 7 dan. Gespielt wurde in den wie immer hervorragenden Räumlichkeiten des Innovationsparks Wuhlheide, die zwar nicht wirklich im Herzen Berlins liegen, jedoch einen würdigen Rahmen für den runden Geburtstag dieses Turniers boten.
Wer einmal beim „Go to Innovation“ mitgemacht hat, der weiß, dass der Name hält, was er verspricht. So springt in der Ausschreibung zunächst das hohe Preisgeld ins Auge Platz (1.000 € für den ersten Platz), das durch die ebenso unermüdliche wie ergiebige Sponsorensuche des Turniervaters Dr. Martin Sattelkau alle sechs Monate zusammengetragen wird und regelmäßig Topspieler aus ganz Europa anzieht. Der besondere Dank gilt hier folgenden Sponsoren: GASAG, Schlaeger Versicherungsmakler, SFW Grundstücksges. mbH & Co. KG, NH Berlin-Treptow und dem Innovationspark Wuhlheide.
Doch der Weg zum Erfolg ist - wie überall - auch hier kein leichter. Drei Spieltage mit insgesamt acht Runden muss der Anwärter auf den Turniersieg absolvieren und sich dabei gegen so starke internationale Konkurrenten wie Viktor Lin (5dan, Österreich), Vladimir Danek (5dan, Tschechien), Lluis Oh (6dan, Spanien) oder gar Hwang In-seong (7dan, Korea) durchsetzen (http://inno.spiel-go.de/results.de.html). Wer allerdings denkt, Siege würden genügen, der hat nicht mit einer weiteren Innovation gerechnet, die die Turnierleitung für die Teilnehmer nach Deutschland importiert hat. Die Rede ist vom berüchtigten Hahn-System, das seiner Natur gemäß dazu führt, dass die Partien bis zum Ende ausgespielt werden. Denn pro Spiel gibt es 100 Punkte zu vergeben, deren Verteilung auf Sieger und Besiegten, sich anhand der Höhe des Sieges bemisst. So gibt es erst ab einer Differenz von über 40 Punkten einen „glatten Punkt“ für den Gewinner der Partie. Der Theorie des Hahn-Systems zu Folge, führt dies dazu, dass der unterlegene Spieler auch angesichts einer verlorenen Stellung, nicht zu verzweifelten Overplays gezwungen wird und dass man selbst in Führung liegend noch stets den besten Zug spielen und riskieren muss. Ein besonders beeindruckendes Beispiel für die Implikationen des Turniersystems bot sich in der letzten Partie des Turniers zwischen Alexander Kurz und Hwang In-seong, die eine Stunden nach Start der letzten Runde angesetzt war, so dass nicht nur die Zuschauer auf KGS und Euro-Go-TV auf ihre Kosten kamen, sondern auch das gut gelaunte Publikum, das im Nebenraum die Übertragung verfolgte und lautstark kommentierte. Es ließ sich nicht herausfinden, ob das bereits seit dem Mittag ausgeschenkte Freibier Auswirkungen auf den Partieverlauf hatte. Sicher ist aber, dass Alexander einen großartigen Kampfgeist bewies. In Kombination mit den zusätzlichen 77,5 Punkten, die er anstelle der Vorgabesteine erhielt, hatte er eine reelle Chance gegen den späteren Turniersieger.
Ähnlich kämpferisch ging es beim Nebenturnier zu, das im Sunjang-Baduk-Stil ausgetragen wurde. Auch diese spezielle Go- Variante gehört zu den Charakteristika des Turniers und stellt eine weitere Herausforderung in puncto Nervenstärke und Ausdauer dar. Wer möchte, kann zusätzlich zum Hauptturnier noch fünf weitere Blitz-Partien spielen, wobei vor Beginn des Spiels 16 Steine in einem vorgegebenen Muster auf das Brett gelegt werden. Das führt in aller Regel dazu, dass das Spiel praktisch ohne Eröffnung direkt in ein kompliziertes Mittelspiel übergeht. Auf diese Weise konnte sich kein Teilnehmer über mangelnde Beschäftigung beklagen. Nach acht oder gar dreizehn langen Runden, mit dem spektakulärsten Turniersystem, das ich kenne, hatten dann aber noch einmal alle Grund zur Freude, denn beim „Go to Innovation“ ist es gute Tradition, dass niemand leer ausgeht. Die beiden Turnierorganisatoren Alexander Eckert und Martin Sattelkau, denen ich an dieser Stelle noch einmal für ein spannendes Wochenende danken möchte, verschenkten ihre eigenen Buchpreise, so dass am Ende wirklich jeder einen Preis mit nach Hause nehmen konnte. So war es von Anfang bis Ende ein gelungener Geburtstag für das Go to Innovation, der Lust macht, auf die nächsten fünf Jahre! Wer sich auch einmal an diesem außergewöhnlichen Turnier versuchen möchte, ist also herzlich zum 11. „Go to Innovation“ im nächsten Frühling vom 19.-21.03.2010 eingeladen.